Golf(platz) - Legende

Ich kann mich genau an meinen ersten Urlaub am Algarve erinnern. Das war vor 15 Jahren. Damals war ich noch nicht dem Golfen verfallen, sondern schlenderte vergnüglich und verliebt, Hand in Hand mit meinem lieben Mann, am Strand von Albufeira entlang. In unserem Hotel lagen nur spärliche Informationen über die nahen Golfplätze aus. Wir hätten sie gar nicht weiters beachtet, wenn nicht Freunde uns den Auftrag erteilt hätten, Broschüren vom berühmtesten Platz Portugals nach Hause mitzubringen. Vom "Vale do Lobo". Unsere Freunde bekamen immer so schön glänzende Augen, wenn sie uns ihre spannenden Erlebnisse beim Schlagen der kleinen weißen Kugel berichteten. Wir konnten diese Hingabe, dieses berauschende Gefühl, wenn an einem Golftag mal alles gelaufen war und Wolfgang zwei Birdies in Serie gespielt hatte, zwar nie nachempfinden, fanden es aber bemerkenswert und freuten uns über das faszinierende Phänomen, daß zwei Menschen, die im täglichen Leben eher trocken und sachlich erscheinen, im Sport so ausgeprägte Emotionen zeigen.

Unsere Freunde kannten damals vom Algarve nur den Penina Championship-Kurs, den sie im Verlauf eines sehr angenehmen Urlaubes im gleichnamigen Hotel erlebt und genossen hatten. Sie wußten, daß der berühmte Architekt vom Penina, die Golflegende Sir Henry Cotton, auch den Vale do Lobo Platz geplant hatte und sie wollten die nächsten Ferien in diesem, nahe der Provinzhauptstadt gelegenen, Golfresort verbringen. Mein Mann und ich, wir hatten damals noch keine praktischen Golferfahrungen und keine rechte Vorstellung davon, was sich im Leben alles ändert, wenn man ein seriöser Golfer geworden ist. Etwa, daß man seine Ferienorte nur mehr danach aussucht, ob sich schöne Golfplätze in der Nähe befinden. Natürlich hatten wir uns auch nicht damit beschäftigt, welche Kriterien einen schönen Golfplatz zu einem berühmten Golfplatz machen; aber trotzdem bekam dieser Name, Vale do Lobo, dieser Begriff, eine besondere Bedeutung für uns und einen geheimnisvollen, ja vornehmen Klang in unseren Ohren.

Mittlerweile, nach 12 Jahren Golfsport, 9 Berufsjahren am Algarve und zahlreichen Golfreportagen und Platzbeschreibungen in einem sehr persönlichen Stil, haben sich für mich konkrete Bewertungsmaßstäbe herauskristallisiert, nach denen ich meine Berichte über golferische Berühmtheiten und solche, die es noch werden wollen, verfasse. Ich schreibe natürlich über die Schwierigkeiten und Schönheiten des jeweiligen Platzes, aber auch über besondere Erlebnisse, die ebenfalls den Gesamteindruck beeinflussen, wie z.B.: ein dramatischer Sonnenaufgang im Parque de Floresta, meine erste Begegnung mit einem frei lebenden Chamäleon im "Naturbunker" von Palmares, mein Interview mit Sam Torrance auf Penina, der Verlust von 10 Golfbällen auf Salgados, das eloquente, polyglotte Rezeptionsteam von Pestana-Golf, die "Plastikbrötchen" im Alto-Golf, etc.

Ich muß zugeben, der Bericht über meine Erfahrungen im Vale do Lobo ist mir nicht leicht gefallen. Mein Beruf hat mich kritisch gemacht. Nach dem ausgiebigen Testen und Prüfen zahlreicher luxuriöser "Vergleichsobjekte" sind meine Einschätzungen und Bewertungen nicht mehr von fröhlicher Urlaubslaune geprägt, sondern vielmehr von professioneller Sachlichkeit. Und wenn sich eine Ferienanlage selbst als "Europe`s Finest Golf & Beach Resort" proklamiert, dann sollte man sich auch zurecht etwas Besonderes erwarten, etwas, was andere Resorts nicht bieten. Kurzum, ich fand mich in einem Dilemma, denn einerseits wollte ich nicht eine Legende aus früheren Tagen in Frage stellen, aber andererseits hatte ich mir die Aufgabe gestellt, gerade wegen meiner positiven Voreingenommenheit, besonders objektiv sein. Meine treuen und geübten Leserinnen und Leser haben es schon längst erkannt: Ich bin zu keiner Conclusio gekommen; aber urteilen Sie selbst!

Home


© 2000, Email an: Gabriele Göttert
Webmaster: sevke@Algarve-Kontakt.com
Letzte Änderung am 4. Oktober 2000