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OPEN oder Geschlossen?
Am Algarve werden mittlerweile unzählige Golfturniere im Laufe eines Kalenderjahres gespielt. Jedes Golfresort, das etwas auf sich hält, organisiert neben den wöchentlichen Mitgliederturnieren auch imageträchtige Wettkämpfe. Wohltätigkeitsturniere, dekoriert mit lächelnden Models und Beautys, eignen sich besonders, das eigene Image aufzupolieren und das Golfimmobilien-Business zu puschen. Fast alle Golfplätze am Algarve bieten nämlich Villen und Wohnungen, die direkt im Sportgelände errichtet werden, zu stolzen Preisen und nicht selten gegen Vorauskasse zum Verkauf an. Der Traum auserwählter GolferInnen soll sich erfüllen: Exklusives Wohnen am Golfplatz - an Europas sonnenverwöhnter Südwestküste.
Seit 1953 werden auch in Portugal, das noch bis vor kurzem als "Armenhaus Europas" galt, Meisterschaften in eben jener Sportart ausgetragen, die auf dem Europäischen Festland gerne als elitär bezeichnet wird. In diesem Jahr fand die Algarve OPEN de Portugal vom 4. - 7. April im preisgekrönten Golf & Ferienresort Vale do Lobo statt. Der örtliche Fremdenverkehrsverband RTA stellte rund 760.000 Euros für Preisgelder zur Verfügung, um zugkräftige Namen auf die Starterliste zu bekommen. Aber stellen Sie sich vor, es fand das national größte Golfereignis des Jahres statt, doch nur wenige gingen hin. Wenn man in den Fernsehübertragungen anderer Turniere die begeisterten Zuschauermassen gesehen hat, die trotz Regens die Bahnen säumten und Tribünen füllten, dann fragt man sich, was da wohl im Vale do Lobo schiefgegangen ist.
Das vorherrschende Schlechtwetter zu Beginn des Turniers war natürlich keine große Hilfe, aber erfolgreiche Berufsgolfer sind extrem belastbar und daran gewöhnt, in Regenkleidung ihr Geld zu verdienen. Wenn bei einem Sportereignis jedoch Dekoration, Glanz und Glamour die Hauptrollen spielen und die eigentlichen Stars, die Spitzensportler, in Statistenrollen auftreten, dann ist es nicht verwunderlich, daß das Publikum fernbleibt. Besucher kommen, um ihre Helden zu bewundern und zu bejubeln. Dieses Prinzip hat schon seit den Gladiatorenkämpfen und Wagenrennen im alten Rom seine Gültigkeit. Für die nächsten OPEN de Portugal ist nur zu hoffen, daß ausreichend Sponsoren gefunden werden, die das Startergeld für einige Topgolfer sicherstellen, damit die OPEN aus der Regionalliga wieder in die Bundesliga aufsteigen kann. Ansonsten wäre es besser, gleich an den Kassen das Schild "Geschlossen" aufzuhängen.
Dabei ist es so wohltuend, auf ein Golfgelände zu kommen, das seinen Facettenreichtum dem Besucher nicht aufzwingt, sondern diskret anbietet. Keine überflüssigen Behübschungen, sondern Konzentration auf das Wesentliche: Golfen und sich danach im Clubhaus verwöhnen lassen. Keine banale Zurschaustellung von Luxus, sondern Noblesse oblige! Wenn Sie ebenfalls nach so einem Standard suchen, dann empfehle ich Ihnen, Almancil links liegen zu lassen und den Old Course von Vilamoura zu spielen. Dort stimmt einfach alles.
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