Liebe Leserinnen und Leser, liebe Golffreunde!

Dr. Gabriele Göttert Es ist schier unglaublich, aber wahr! Noch nie tummelten sich in den Sommermonaten so viele enthusiastische Golferinnen und Golfer auf den Plätzen der Algarve, wie im vergangenen Juli und August dieses Jahres. Selbst anhaltende Temperaturen über 30°C im Schatten reichten nicht aus, um die Sportbegeisterten von ihrer Lieblingsbeschäftigung (?) fernzuhalten. Mit gut gefüllten Kühltaschen, aparten Strohhüten und reichlich Sonnenschutzcreme zusätzlich ausgestattet, traten zigtausend Hitzebeständige an, in Turnieren und Privatrunden die kleine, vorzugsweise weiße Kugel zu schlagen. Mandelzweig

Der Golfsport boomt. Ein Golfurlaub am Algarve gehört für viele Mittel- und Nordeuropäer bereits zum alljährlichem Le Must in der Jahresplanung. Was bisher auf die kühleren Monate beschränkt war, findet nun auch in der Strand-touristischen Hochsaison statt. Vor allem für die einheimische Bevölkerung ist es erstaunlich, wieviel Hitze sonnenhungrige Golfer ertragen können. Sogar während der Mittagszeit mußte man sich auf einigen Golfplätzen anstellen, um noch eine Startzeit zu bekommen. Über so viel "Verrücktheit" können Algarvios nur verständnislos die Köpfe schütteln. Sie flüchten sich lieber ins kühle Naß, oder verweilen an einem lauschigen Plätzchen, um über die Hitze zu klagen. Fairway
Speziell im August füllen sich Städte und Strände der Algarve traditionsgemäß auch mit portugiesischen Feriengästen, die aus den nördlichen Provinzen des Landes nicht nur mit Oma, Kind und Kegel, sondern häufiger auch mit ihren neuen Golfschlägern anreisen. Aber nicht alle, die über eine tolle Ausrüstung verfügen, sind auch in der Lage, damit bestimmungsgerecht und verantwortungsbewußt umzugehen. (Dieses Phänomen tritt natürlich auch in anderen Ländern auf.)

15 benötigte Schläge pro Loch, ewiges Suchen verschlagener Bälle im Rough, massenhaft herausgeschlagene und nicht zurückgelegte Divots auf den Fairways, verwüstete Sandbunker sind einige typische Indizien für störendes Fehlverhalten am Golfplatz. Wenn man das zweifelhafte Vergnügen hat, hinter offensichtlichen Anfängern zu spielen, die noch gravierende Mängel in Bezug auf Spieltechnik und Platzetikette aufweisen, dann fragt man sich, wie es diesen wohl möglich war, den für die Spielberechtigung erforderlichen Handicapnachweis an der Golfrezeption zu erbringen. Wurde dieser womöglich gar nicht verlangt? Oder gibt es in Portugal andere Voraussetzungen, um Golf zu spielen?

Die Rede ist nicht allein vom guten Benehmen am Golfplatz, von dem alle Spieler nur profitieren können, sondern von der Gefahr, die von unerfahrenen Spielern ausgehen kann. Es sollte nicht vergessen werden, daß ein schlecht getroffener Golfball ahnungslose Spieler auf anderen Bahnen gefährden, verwunden, oder sogar töten kann. Ein Anfänger kann die Flugbahn eines verunglückten Schlages meistens nicht ausreichend einschätzen. Der zwingende, international gültige Warnruf "FORE" ertönt dann oft nur verhalten oder leider gar nicht in die Richtung der gefährdeten Personen.

Auch die Portugiesen selbst scheinen die "Pistoleiros", wie sie die gefährlichen Golfrowdies nennen, allmählich satt zu haben. Júlio Mendes, der Vorsitzende der Handicap-Kommission des Portugiesischen Golfverbandes, kritisiert das derzeit praktizierte Vorgabe-Berechnungsverfahren einiger Clubs als "Kongo-System" und spricht von notwendigen, tiefgreifenden Veränderungen in der Vergabe und Überwachung der Handicaps. In einem Interview für das erste Portugiesische Golfjournal "Jornal de Golfe" spricht Júlio Mendes von strengeren Auflagen, die künftig an die nationalen Golfer und Golfclubs gestellt werden müssen. Spieler, die z.B. nicht eine gewisse jährliche Mindestanzahl von Turnieren nachweisen können, sollen die Gültigkeit ihres Handicaps verlieren. Golfclubs, deren Mitglieder- und Handicapverwaltung nicht den neuen Anforderungen entspricht, sollen künftig sogar aus dem Verband ausgeschlossen werden.

Wir können also nur hoffen, daß sich die geplanten Neuerungen rasch verwirklichen lassen, die "Pistoleiros" seltener werden und damit auch nach einem sommerlichen Golftag am Algarve folgender Anruf im örtlichen Fremdenverkehrsbüro unterbleiben kann: "Es sind wieder zwei Betten frei geworden!"

Herzlichst, Ihre Gabriele Göttert


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Letzte Änderung am 21. September 2000